Vielleicht habt ihr ja die neulich hier gestarteten Initiativen #SaveSocial und #SoSollWeb mitbekommen. Da entsteht nun wohl gerade eine Diskussion ums #Fediverse. Denn der neueste Beitrag ist ein Rant, der uns Eskapismus vorwirft (etwas runterscrollen, der Header ist recht groß):
https://ichsagmal.com/der-naive-traum-vom-fediverse-warum-wir-uns-der-realitaet-stellen-muessen/
@StefanMuenz Wer ist „uns“? Eine echte Diskussion ums #Fediverse müsste mehr sein als eine interne Selbstvergewisserung. Es geht nicht um Eskapismus-Vorwürfe, sondern um die Frage, wo Öffentlichkeit tatsächlich stattfindet. Eine Debatte, die sich nur in Nischen abspielt, bleibt genau das – eine Nischendebatte.
@gsohn Wenn man die Natur des Fediverse verstanden hat, dann ist es nun mal per se keine Plattform und kann deshalb auch nicht am "Kampf um die Plattformen" teilnehmen. Genauso wenig, wie das World Wide Web mit AOL oder CompuServe konkurrieren konnte, weil es auf einer anderen Ebene ansetzte. Es war nicht mehr selbst ein "Provider", sondern eine Basis für kleine und große Provider. Genauso ist das Fediverse nicht die SocialMedia-Plattform eines bestimmten Anbieters, sondern eine Basis, welche social-mediale-Kommunikation zwischen Akteuren ermöglicht. Diese können ihre eigene Instanz nutzen oder die Instanz eines beliebig kleinen bis großen Anbieters.
"Wir" sind alle, die das Fediverse bewusst und gerne nutzen, weil wir sehen, dass es durch seine anders geartete Natur resilienter ist als die Plattformen bestimmter Anbieter.
Und den Begriff "Eskapismus" hab ich nur genutzt, weil er auch im Artikel vorkommt.
@StefanMuenz Das Fediverse mag keine Plattform sein – aber auch kleine Fürstentümer mit eigenen AGBs sind private Netzöffentlichkeiten. Die Logik der großen Plattformen endet nicht dort, wo die Infrastruktur dezentral ist. Auch hier gibt es Ausschluss und Willkür. Auch hier wird entschieden, wer sichtbar bleibt und wer nicht.
@gsohn Nicht unbedingt. Es kann natürlich fleißig geblockt werden, sowohl auf persönlicher Ebene als auch auf Instanzenebene. Aber: du kannst jederzeit auf eine andere Instanz umziehen und dabei deine Follower mitnehmen. Dadurch erhältst du auch ein neues Handle und Blockierungen deiner bisherigen Instanz oder deines bisherigen persönlichen Handles laufen ins Leere. Außerdem handelt es sich sowohl beim Blocken als auch beim Umgehen von Geblocktwerden durch nomadisches Weiterziehen um menschliche Entscheidungen, nicht um algorithmische. Und: es gibt keine undurchsichtigen, ebenfalls algorithmisch bedingten Phänomene wie Shadow-Bans.
@StefanMuenz Das kann aber ein ewiger Kreislauf werden. Vor AGB-Willkür bist Du auch hier nicht sicher. Wir hatten die Diskussion in Bonn intensiv geführt. Wenn es hart auf hart kommt, etwa politisch, wird auch rausgeschmissen.
@gsohn @StefanMuenz Doch, die AGB-Willkür hört spätestens bei der eigenen Instanz auf. Und da du ja bloggst, kann auch dein Blog eine Instanz im Fediverse werden.
https://de.wordpress.org/plugins/activitypub/
Der Kreis der Anbieter wird ja nicht irgendwie begrenzt. Offene Software, offene Standards. Bei E-Mail reicht ja auch ein Raspberry Pi und ne feste IP für den E-Mail-Server.
Du hast da so ein Bild eines begrenzen Stück Lands und der privaten Fürstentümer. Aber es ist nicht begrenzt. Werd dein eigener Fürst!
@Sascha @StefanMuenz AGB-Willkür hört bei der eigenen Instanz auf? Schön wär’s. In Wahrheit verlagert sich die Kontrolle nur eine Ebene tiefer. Denn auch „offene“ Netzwerke haben ihre eigenen Dynamiken, ihre eigenen Gatekeeper, ihre eigenen Formen von Ausschluss und Machtausübung.
Ja, ich kann mein Blog ins Fediverse bringen. Ich kann meinen eigenen Server aufsetzen, meine eigenen Regeln bestimmen. Aber eine technische Lösung ist noch keine gesellschaftliche Antwort.
@gsohn @StefanMuenz
Wo ist denn die Ebene tiefer?
Für mich ist "darunter" nur noch die Protokoll-Ebene, im Falle des Fediverse ActivityPub. Und das wird durch das W3C gestaltet, genau wie das WWW in unserem Browser, funktioniert. Auch an solche Standards kann man sich halten oder nicht. Mastodon selbst wird kritisiert, weil es teils eigene Standards setzt, wenn es ActivityPub in Software umsetzt. Und neben ActivityPub gibt es ja noch AT-Proto, freie Auswahl für freie Bürger*innen. :)
@Sascha @StefanMuenz Die Ebene tiefer? Moderation, Instanz-Blockaden, Hausrecht. Auch im Fediverse entscheiden Betreiber, was sichtbar bleibt und was nicht. Offene Protokolle bedeuten nicht automatisch offene Debatten.
Das W3C setzt Standards, aber es kontrolliert keine Inhalte. Auch ein offenes Netzwerk hat Machtstrukturen – sie sind nur anders verteilt. Mastodon setzt eigene Regeln, andere Projekte auch. Wir hatten das ja in Bonn disktuiert.
@gsohn @StefanMuenz Ja, aber meine Macht endet an meiner Haustür. Ich kann ja nicht deinem Admin (bei social.cologne) vorschreiben, wie er mit deinem Inhalt umzugehen hat. Außer es ist eine rechtliche Frage und dann hat er nicht nur Macht sondern auch Verantwortung illegale Inhalte nach Gesetz zu entfernen. Bei einer Wahl entscheiden auch die Bürger mit ihrer einzelnen Stimme, die Gesamtheit der Stimmen ergibt ein Bild, aber darum sind Wähler noch lange keine Diktatoren oder "kleine Musks". ;)